Sina Andrä: Resilienz bedeutet, beweglich zu bleiben.
Resilienz, chronische Erkrankung, Akzeptanz, Beziehungen, Umgang mit Unsicherheit
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In dieser Folge von Wir schaffen es doch. spricht Gastgeberin Anna Papadopoulos mit Sina Andrä.
Sina arbeitet im Bildungsbereich und bildet Lehrkräfte aus. Gleichzeitig ist sie Resilienztrainerin. Mit 36 Jahren erhielt sie die Diagnose einer seltenen Lungenerkrankung namens LAM.
Die Erkrankung hat ihr Leben verändert. Sie hat aber auch ihren Blick auf Resilienz geprägt.
Im Gespräch geht es um zwei Perspektiven. Die berufliche Arbeit mit Menschen in herausfordernden Situationen. Und den eigenen Alltag mit Krankheit, Unsicherheit und immer neuen Anpassungen.
Eine Diagnose verändert den Blick auf das eigene Leben
„Ich kam immer aus der Welt der Gesunden.“
So beschreibt Sina den Moment vor ihrer Diagnose. Sie war damals 36 Jahre alt. Sie arbeitete als Lehrerin. Ihr Sohn war noch klein.
Der Wendepunkt kam durch einen Pneumothorax. Eine Lunge kollabierte. Danach begann die Suche nach der Ursache.
Die Diagnose lautete LAM. Eine seltene Lungenerkrankung. Die Krankheit führt zu Zysten in der Lunge und kann die Atmung stark beeinträchtigen.
Der Moment der Diagnose war ein Einschnitt. Plötzlich musste Sina ihr eigenes Selbstbild neu betrachten.
Sie beschreibt diesen Prozess als längerfristige Anpassung. Ein neues Verständnis von Normalität entsteht nicht sofort. Es entwickelt sich Schritt für Schritt.
Resilienz als innere Beweglichkeit
„Resilienz ist für mich eine Art der inneren Beweglichkeit.“
Für Sina bedeutet Resilienz nicht, alles auszuhalten. Es geht eher darum, sich an neue Situationen anzupassen.
Die Erkrankung ist Teil ihres Lebens geworden. Gleichzeitig beschreibt sie klar, dass sie ihr Leben weiterhin selbst gestalten möchte.
„Die Erkrankung ist ein Teil des Lebens, aber sie zieht nicht die Fäden.“
Dieser Gedanke prägt ihren Umgang mit der Situation. Sie versucht, Handlungsspielräume zu erkennen. Auch wenn diese manchmal kleiner sind als früher.
Resilienz entsteht dabei nicht durch Verdrängen. Sie beginnt mit Akzeptanz.
„Akzeptanz heißt auch zuzulassen, dass es gerade wirklich schlimm ist.“
Beziehungen als wichtige Ressource
Eine der wichtigsten Erfahrungen nach der Diagnose war für Sina der Kontakt zu anderen Betroffenen.
Schon im Krankenhaus kam der erste Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe zustande. Dort traf sie Frauen mit der gleichen Erkrankung.
Diese Begegnungen haben eine wichtige Rolle gespielt.
„Beziehungen sind sowieso aus der Glücksforschung der Glücksfaktor number one.“
Heute engagiert sich Sina selbst im Vorstand eines Selbsthilfevereins für Menschen mit LAM.
Das Netzwerk hilft beim Austausch. Es verbindet Betroffene mit Ärztinnen, Forschern und anderen Patientinnen.
Gleichzeitig zeigt es, dass niemand mit einer solchen Diagnose allein bleiben muss.
Leben im Hier und Jetzt
Ein wiederkehrendes Thema im Gespräch ist der Umgang mit Unsicherheit.
Eine chronische Erkrankung wirft viele Fragen auf. Wie wird sich der Gesundheitszustand entwickeln? Welche Einschränkungen kommen vielleicht noch?
Sina beschreibt, dass sie versucht, sich nicht dauerhaft mit möglichen Zukunftsszenarien zu beschäftigen.
Der Fokus liegt auf dem aktuellen Moment.
Atemübungen helfen ihr dabei. Sie bringen Aufmerksamkeit zurück in den Körper und in den gegenwärtigen Moment.
„Das Leben findet im Hier und Jetzt statt.“
Diese Haltung bedeutet nicht, Risiken zu ignorieren. Sie hilft eher, den Alltag nicht ausschließlich von Sorgen bestimmen zu lassen.
3 Takeaways aus dieser Folge
Resilienz beginnt mit Akzeptanz.Gefühle wie Angst oder Traurigkeit gehören zu Krisen dazu. Sie dürfen wahrgenommen werden.
Beziehungen können tragen.Stabile Verbindungen zu anderen Menschen können in schwierigen Zeiten eine wichtige Ressource sein.
Gesundheit ist kein fester Zustand.Menschen bewegen sich ständig zwischen Krankheit und Gesundheit. Das eigene Wohlbefinden entsteht in mehreren Dimensionen.
Ein Satz, der bleibt
„Der einzige Weg raus geht durch.“
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Kapitel der Folge
00:00 Einführung in Resilienz und persönliche Geschichten
06:41 Die seltene Erkrankung LAM und ihre Auswirkungen
16:14 Verändertes Selbstbild und Identität nach der Diagnose
16:58 Resilienz als Anpassungsfähigkeit und innere Beweglichkeit
21:15 Selbsthilfe und Gemeinschaftsbildung
26:14 Praktische Ansätze zur Resilienzförderung
33:24 Die Bedeutung von Kommunikation in Beziehungen
35:09 Umgang mit Angst und psychischen Herausforderungen
37:06 Ablenkung und Lebensfreude im Alltag
40:23 Akzeptanz und der Umgang mit der Zukunft
43:37 Leben und Lernen im Einklang mit der Endlichkeit
46:22 Die Dimensionen eines erfüllten Lebens
49:47 Resilienz und die Rolle der Lehrerbildung
57:08 Erziehung und Resilienz im Familienkontext
01:04:42 Den nächsten Schritt gehen
01:07:02 Umgang mit chronischen Erkrankungen
01:08:07 Die Rolle der Angehörigen
01:12:30 Reflexion und Trauerarbeit
01:21:47 Die Kraft der Musik und des Sports
01:29:02 Gestaltung des eigenen Lebensraums
Mehr über Sina Andrä
Sinas Website: https://sina-andrae.de/
Sina bei LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/sina-andr%C3%A4-72073a95/
Sina bei Instagram: https://www.instagram.com/sina.andrae/
Empfohlene Themen & Referenzen aus dem Gespräch
Resilienzmodell nach Ursula Nuber – beschreibt zentrale Haltungen und Strategien im Umgang mit Krisen: https://lmy.de/HyBVT
Salutogenese nach Aaron Antonovsky – ein Modell, das Gesundheit als dynamischen Prozess zwischen Krankheit und Wohlbefinden beschreibt: https://lmy.de/bJbyH
Gewaltfreie Kommunikation – ein Ansatz zur bewussten Wahrnehmung von Gefühlen und Bedürfnissen: https://www.fachverband-gfk.org/
LAM Selbsthilfe-Verein – Austausch und Unterstützung für Betroffene: https://lam-info.de/
Reflexionsimpuls
Welche Ressourcen tragen dich, wenn dein Leben eine unerwartete Wendung nimmt?
Und welche Beziehungen geben dir Halt in schwierigen Zeiten?
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