Madina Zulfacar: Zugehörigkeit, Identität und interkulturelle Zusammenarbeit

Zugehörigkeit, Identität, Interkulturalität, Migration, Zusammenleben

🎧 Höre hier die ganze Folge mit Madina Zulfacar

In dieser Folge von Wir schaffen es doch. spricht Anna Papadopoulos mit Madina Zulfacar.

Madina ist interkulturelle Beraterin, Supervisorin und begleitet Menschen und Teams in Veränderungsprozessen. Ihre Arbeit ist eng mit ihrer eigenen Geschichte verbunden.

Sie wurde in Kabul geboren, lebte als Kind in Indien und kam später nach Deutschland. Im Gespräch sprechen die beiden über Zugehörigkeit, Ausgrenzung, Ankommen und die Frage, wie Menschen miteinander leben und arbeiten können, obwohl ihre Erfahrungen unterschiedlich sind.

Es ist eine Folge über Identität. Und über das, was entsteht, wenn Menschen versuchen, einander zu verstehen.

„Wo gehöre ich wirklich hin?“

Diese Frage begleitet Madina seit ihrer Kindheit.

Sie wächst zwischen mehreren kulturellen Wirklichkeiten auf. Ihre Eltern bringen unterschiedliche Prägungen, Werte und Hintergründe mit.

Später kommen Erfahrungen von Ausgrenzung dazu. Vor allem in der Schulzeit wird Zugehörigkeit für sie zu einem wichtigen Thema. Sie beschreibt, dass sie oft das Gefühl hatte, nicht dazuzugehören - außerhalb und innerhalb der Familie.

Im Gespräch erzählt sie offen von Loyalitätskonflikten und von ihrer Tante, die zu ihrer wichtigsten Bezugsperson wurde. Diese Verbindung gibt ihr Halt.

Heute arbeitet Madina genau an den Themen, die sie selbst lange begleitet haben: Verständigung, Zugehörigkeit und Perspektivwechsel.

Und die Frage:

Wie schaffen wir es, uns selbst und andere besser zu verstehen?

„Heimat ist dort, wo wir uns sicher fühlen.“

Im Gespräch sprechen wir auch über Heimat als Gefühl.

Madina erzählt von Afghanistan, von ihrem Ankommen und Leben in Indien und Deutschland.

Sie erzählt von Übergängen und Abschieden. Sie erinnert sich an den Moment, als ihre Familie Afghanistan verlassen musste. Und an die Erfahrung, dass wichtige Menschen zunächst zurückbleiben mussten.

Für sie wird Heimat deshalb nicht an Grenzen festgemacht. Sie beschreibt Heimat als einen Ort der Sicherheit. Als etwas, das auch in Beziehungen entstehen kann.

Menschen spielen dabei eine wichtige Rolle: Freundschaften, Verbindungen, Bezugspersonen. Dinge, die bleiben, auch wenn sich Orte verändern.

„Nicht zu verurteilen, ohne Bewertung, sondern mehr neugierig und offen.“

Ein weiterer Teil des Gesprächs führt zu der Frage, was wir weitergeben.

Madina spricht über ihre Kinder, darüber, welche kulturellen Einflüsse sie mitbekommen.

Welche Feste gefeiert werden, welche Fragen entstehen und wie wichtig Neugier ist.

Sie erzählt von gemeinsamen Erfahrungen, von Gesprächen über andere Kulturen - von Interesse statt schneller Einordnung.

Für sie liegt darin ein Reichtum, weil verschiedene Perspektiven sichtbar werden.

Diese Haltung begleitet auch ihre Arbeit. Sie schafft Räume - in Schulen und anderen Organisationen. Räume, in denen Menschen gehört werden.

„Nicht jeder wird gleich gehört.“

Dieser Satz fällt später im Gespräch.

Madina spricht über ihre Arbeit in Schulen und sozialen Einrichtungen. Über Konflikte, Mobbing und Diskriminierung vor Ort. Und über Situationen, in denen Menschen im Raum sind und trotzdem keine Stimme haben. Sie beschreibt ihre Rolle oft als Vermittlerin, als Sprachrohr, das Perspektiven sichtbar macht.

Dabei geht es nicht um fertige Antworten. Es geht um Prozesse, um Zuhören und darum, dass Menschen ihre eigene Lösung entwickeln.

Diese Haltung bringt sie heute auch in die Begleitung von Teams und Organisationen ein. Dort tauchen ähnliche Fragen auf: Wer gehört dazu? Wer wird gehört? Und was passiert, wenn Themen lange unausgesprochen bleiben?

„Es geht nicht Perfektion. Es geht Entwicklung.“

Zum Ende der Folge sprechen wir über Stärke. Über Menschen, die an uns glauben und über Menschen, die es nicht tun.

Madina erzählt von einer Lehrerin, die ihr sagte, sie werde ihr Abitur nicht schaffen. Sie erzählt aber auch von Mentorinnen, von Menschen, die geblieben sind.

Sie berichtet von Reflexion als Quelle ihrer eigenen Stärke und von dem Entschluss, sich selbst nicht aufzugeben. Dabei spricht sie viel über Selbstfürsorge und über Verantwortung für sich selbst. Und darüber, wie aus schwierigen Erfahrungen später Kraft entstehen kann.


3 Takeaways aus dieser Folge

1. Zugehörigkeit entsteht nicht automatisch.Sie entwickelt sich durch Beziehungen, Sicherheit und die Erfahrung, gesehen zu werden.

2. Unterschiedliche Perspektiven können verbinden.Neugier schafft oft mehr Nähe als schnelle Bewertungen.

3. Zuhören verändert Räume.Nicht jeder wird automatisch gehört. Dafür braucht es Aufmerksamkeit und Zeit.

Ein Satz, der bleibt

„Wir schaffen es doch, weil wir an die Menschen glauben.“


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Kapitel der Folge

01:10 Einführung in die interkulturelle Zusammenarbeit

03:23 Die Bedeutung von Herkunft und Identität

06:35 Zugehörigkeit und Ausgrenzung in der Kindheit

09:53 Erfahrungen in Indien und deren Einfluss

14:15 Ankommen in Deutschland und die Rolle der Sozialarbeit

20:17 Die Rolle der Sozialarbeit im Ankommen

21:38 Heimat und Sicherheit: Ein persönlicher Blick

23:30 Identität und kulturelle Wurzeln

26:08 Erziehung in einer multikulturellen Familie

29:17 Neugier und Offenheit in der Gesellschaft

30:40 Verantwortung und Empathie im Umgang mit Geflüchteten

34:05 Hoffnung und Orientierung für eine Willkommenskultur

35:33 Empathie als Schlüssel zur Integration

39:24 Herausforderungen in Schulen und der Gesellschaft

40:43 Die Bedeutung von persönlichen Erfahrungen

42:59 Empathie und Mitgefühl in der Bildung

45:35 Reflexion und persönliche Stärke

48:22 Schmerzhafte Erfahrungen als Kraftquelle

51:33 Die Rolle von Mentoren und Unterstützung

52:11 Vergleich zwischen Kindern und Erwachsenen in der Reflexion

55:38 Interkulturelle Konflikte und Teamdynamiken

59:05 Flexibilität im Prozessmanagement

Mehr über Madina Zulfacar

Empfohlene Themen & Referenzen

  • Geflüchtetenarbeit und Migrationsberatung - als prägende Stationen in Madinas beruflichem Weg

  • Schulsozialarbeit: Arbeit zu Konflikten, Mobbing und Zugehörigkeit

  • Supervision und Prozessbegleitung: Reflexionsräume für Teams und Organisationen

  • Interkulturelle Zusammenarbeit: Verständigung in vielfältigen Teams

Reflexionsimpuls

Wo entsteht für dich Zugehörigkeit?

Und welche Menschen haben dir das Gefühl gegeben, sicher zu sein?

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