Stärken und Schwächen neu bewerten: Warum Eigenschaften vom Kontext abhängen

Selbstbild, Perspektivwechsel, Selbstreflexion

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In dieser Montagsmotivationsfolge spricht Anna Papadopoulos über Stärken und Schwächen.

Ausgangspunkt ist eine Geschichte des Autors und Forschers Simon Sinek, die ihren Blick auf Eigenschaften und Selbstbilder geprägt hat.

Die Folge beschäftigt sich mit der Frage, warum wir bestimmte Eigenschaften an uns selbst bewerten und wie aus einzelnen Erfahrungen oft feste Überzeugungen entstehen.

Dabei geht es weniger um die Eigenschaften selbst als um die Perspektive, aus der wir auf sie schauen.

Wie aus Beobachtungen Überzeugungen werden

„Aus ‚Ich war in dieser Situation unsicher‘ wird irgendwann ‚Ich bin unsicher‘.“

Viele Menschen haben Eigenschaften im Kopf, die sie als persönliche Stärken oder Schwächen betrachten.

Mit der Zeit werden diese Zuschreibungen oft immer fester.

Aus einzelnen Situationen entstehen allgemeine Aussagen über die eigene Persönlichkeit.

Ein Moment der Unsicherheit wird zu dem Gefühl, grundsätzlich unsicher zu sein.

Ein Gespräch, in dem die richtigen Worte fehlen, wird zu der Überzeugung, sich nicht gut ausdrücken zu können.

Genau das thematisiert die Folge. Sie hinterfragt die Annahme, dass Eigenschaften eindeutig und dauerhaft bewertet werden können.

Die Geschichte von Simon Sinek

Simon Sinek erzählt von einer Situation zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn.

Er erhielt die Visitenkarte einer Person, die er unbedingt kontaktieren wollte. Kurz darauf konnte er die Karte nicht mehr finden. Er suchte danach, fand sie aber nicht wieder. Mit jedem Tag wuchs die Frustration.

Für ihn schien die Situation ein weiterer Beweis dafür zu sein, dass er unorganisiert sei. Einige Wochen später tauchte die Karte wieder auf und er meldete sich bei der Person. Aus dem Gespräch entwickelte sich eine spannende berufliche Verbindung.

Dabei erfuhr er etwas Überraschendes: Sein verspäteter Anruf wurde nicht negativ wahrgenommen. Die andere Person hatte vielmehr den Eindruck gewonnen, dass Simon nicht verzweifelt auf diese Gelegenheit angewiesen gewesen sei.

Was für ihn zunächst wie eine Schwäche aussah, wurde von außen völlig anders bewertet.

„Verändert hatte sich lediglich die Perspektive darauf.“

Gibt es überhaupt klare Stärken und Schwächen?

Die Geschichte wirft eine grundsätzliche Frage auf: Sind Eigenschaften tatsächlich Stärken oder Schwächen? Oder hängt ihre Wirkung von der jeweiligen Situation ab?

Mut gilt häufig als Stärke. Gleichzeitig kann Mut dazu führen, Risiken zu unterschätzen.

Vorsicht wird oft kritisch betrachtet. In anderen Situationen schützt sie vor Entscheidungen, die später bereut werden könnten.

Auch Selbstbewusstsein wird meist positiv bewertet. Manchmal schlägt es jedoch in Selbstüberschätzung um.

Sensibilität wird häufig als Belastung beschrieben. Dabei hilft sie vielen Menschen dabei, andere besser wahrzunehmen.

Je genauer man hinschaut, desto schwieriger wird es, Eigenschaften eindeutig einzuordnen.

Eine persönliche Erfahrung mit Zurückhaltung

„Unterschiedliche Situationen brauchen unterschiedliche Qualitäten.“

Anna beschreibt in der Folge eine Eigenschaft, die sie lange kritisch betrachtet hat: In Gruppen hört sie häufig zunächst zu. Während andere ihre Gedanken direkt formulieren, beobachtet sie oft erst die Dynamik im Raum. Es gibt Situationen, in denen sie sich mehr Entschlossenheit wünschen würde.

Gleichzeitig erkennt sie heute eine andere Seite dieser Zurückhaltung: Sie hilft ihr dabei zuzuhören und Zwischentöne wahrzunehmen. Sie macht es leichter zu erkennen, wenn Menschen in einer Gruppe nicht gehört werden.

Auch hier ist es so: Die Eigenschaft selbst hat sich nicht verändert. Verändert hat sich der Blick darauf.

Eine andere Frage an uns selbst

Im letzten Teil der Folge schlägt Anna eine andere Perspektive vor.

Vielleicht ist die Frage nach Stärken und Schwächen nicht immer die hilfreichste. Stattdessen könnte es sinnvoll sein zu fragen:

In welchen Situationen hilft mir diese Eigenschaft?

Und in welchen Situationen steht sie mir im Weg?

Diese Fragen führen häufig zu differenzierteren Antworten. Sie ermöglichen einen Blick auf die ganze Geschichte - auch auf die Momente, in denen vermeintliche Schwächen hilfreich waren.

3 Takeaways aus dieser Folge

1. Aus einzelnen Erfahrungen entstehen oft feste Selbstbilder.

Wir neigen dazu, Beobachtungen über Situationen auf unsere gesamte Persönlichkeit zu übertragen.

2. Eigenschaften verändern ihren Wert je nach Kontext.

Dieselbe Eigenschaft kann in einer Situation hilfreich sein und in einer anderen herausfordernd wirken.

3. Ein differenzierter Blick schafft mehr Gelassenheit.

Wer Eigenschaften nicht sofort bewertet, erkennt häufig mehr Facetten an sich selbst.

Ein Satz, der bleibt

„Vielleicht sollten wir uns öfter fragen: In welchen Situationen hilft mir diese Eigenschaft? Und in welchen Situationen steht sie mir im Weg?“


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Kapitel der Folge

00:01 Die Wahrnehmung von Eigenschaften

03:14 Die Perspektive auf Stärken und Schwächen

05:51 Reflexion über persönliche Eigenschaften

Empfohlene Themen & Referenzen

  • Simon Sinek - Autor und Redner zu den Themen Führung, Haltung und persönliche Entwicklung

  • Bücher von Simon Sinek - werden in der Folge als Anregung empfohlen, die eigene Haltung und Prioritäten zu reflektieren

Reflexionsimpuls

Welche Eigenschaft hast du im Laufe der Zeit als Schwäche abgespeichert?

In welchen Situationen hat genau diese Eigenschaft dir möglicherweise geholfen?

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