Judith Neubert: Mutter mit 18 - Zwischen Abitur, Studium und Verantwortung
Frühe Mutterschaft, Studium mit Kind, Verantwortung, Vorurteile, Lebenswege
🎧 Höre hier die ganze Folge mit Judith Neubert
Was passiert, wenn das Leben früher anders verläuft als geplant?
Mit 18 Jahren Mutter werden. Kurz vor dem Abitur.
Für viele ist das ein Lebensweg, über den vor allem mit Vorurteilen gesprochen wird. Wie fühlt es sich tatsächlich an? Welche Entscheidungen müssen getroffen werden? Und was verändert sich mit den Jahren im Blick auf die eigene Geschichte?
In dieser Folge von Wir schaffen es doch. spricht Anna Papadopoulos mit Judith Neubert. Zum ersten Mal erzählt sie öffentlich von ihrer frühen Mutterschaft. Sie spricht über Unterstützung, Zweifel, Verantwortung und darüber, warum sie ihre Geschichte viele Jahre lieber für sich behalten hat.
„Ich war einfach krass überfordert.“
Als Judith von ihrer Schwangerschaft erfährt, ist sie gerade 18 Jahre alt.
Die ersten Tage beschreibt sie heute wie einen Wattebausch. Vieles erinnert sie nur noch in einzelnen Bildern. Besonders deutlich geblieben ist ihr die Reaktion ihrer Eltern.
Sie begegnen ihr mit Ruhe. Sie drängen sie nicht in eine Richtung. Sie begleiten sie.
Auch der Vater ihres Sohnes macht ihr deutlich, dass er ihre Entscheidung mittragen wird. Gleichzeitig besucht Judith eine Schwangerschaftskonfliktberatung. Dort erfährt sie zum ersten Mal, welche Möglichkeiten es für junge Eltern überhaupt gibt.
Im Rückblick sagt sie, dass genau dieses Wissen ihren Blick verändert hat.
„Super hart.“
Nach dem Abitur wird ihr Sohn geboren.
Während viele Freundinnen ins Ausland gehen oder ihr Studium beginnen, bleibt Judith zunächst zu Hause.
Im Gespräch erzählt sie offen, dass diese Zeit nicht leicht war. Freundschaften verändern sich. Manche zerbrechen. Gleichzeitig beginnt ein völlig neuer Alltag mit einem Neugeborenen.
Sie spricht auch darüber, dass sie ihre Entscheidung damals manchmal hinterfragt hat.
Gerade diese Ehrlichkeit macht das Gespräch besonders.
Sie beschreibt die ersten Jahre nicht als Erfolgsgeschichte ohne Zweifel. Sie erzählt von Unsicherheit und davon, wie sehr ihr ein Netzwerk aus Familie, Hebamme und später auch der Universität geholfen hat.
„Ich muss mich irgendwie noch mehr beweisen.“
Mit dem Studium beginnt ein neuer Abschnitt. Gleichzeitig entsteht ein neues Gefühl.
Judith erzählt, dass sie häufig den Eindruck hatte, sich mehr beweisen zu müssen als andere. Deshalb sprach sie lange nicht darüber, dass sie früh Mutter geworden war.
Erst wollte sie zeigen, was sie fachlich kann. Danach wollte sie ihre Geschichte erzählen.
Im Gespräch stellt sie eine Frage, die weit über ihre persönliche Situation hinausgeht.
Warum verändern sich die Erwartungen an Frauen, sobald sie Mutter werden?
Auch ich kenne dieses Gefühl aus einer anderen Erfahrung. Im Gespräch sprechen wir darüber, wie schnell Menschen eingeordnet werden und welche Wirkung Vorurteile auf den eigenen Weg haben können.
„Ich sehe es jetzt auch nicht mehr als Bruch.“
Viele Jahre betrachtete Judith ihre frühe Mutterschaft als Unterbrechung ihres Lebens.
Heute sieht sie das anders: Sie beschreibt diese Erfahrung als Teil ihrer Geschichte, weil sie rückblickend erkennt, was daraus entstanden ist.
Sie erzählt, dass sie heute Verantwortung gerne übernimmt. Sie beschreibt, dass sie gelernt hat, nach Lösungen zu suchen und Herausforderungen anzunehmen.
Gleichzeitig wünscht sie sich, dass mehr Menschen ihre Geschichten erzählen, um sichtbar zu machen, dass Lebenswege unterschiedlich verlaufen können und dass Unterstützung einen großen Unterschied macht.
3 Takeaways aus dieser Folge
1. Unterstützung verändert den Blick auf schwierige Situationen.
Familie, Beratung und Netzwerke haben Judith geholfen, ihre Möglichkeiten wieder zu sehen.
2. Vorurteile begleiten Menschen oft länger als Ereignisse selbst.
Judith beschreibt, warum sie ihre frühe Mutterschaft viele Jahre nicht erwähnt hat und weshalb sie sich häufig stärker beweisen wollte.
3. Ein Lebensweg muss nicht geradlinig verlaufen.
Heute betrachtet Judith ihre frühe Mutterschaft nicht mehr als Bruch, sondern als Teil ihrer Geschichte.
Ein Satz, der bleibt
„Wir schaffen es, weil wir mehr können und uns zutrauen, als wir am Anfang denken.“
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Kapitel der Folge
00:00 Intro
01:24 Begrüßung und Einstieg ins Gespräch
02:10 Schwanger mit 18
03:15 Die Reaktion der Familie
05:30 Der Kindsvater
06:25 Beratung und die Entscheidung
10:46 Schwangerschaft, Schule und Freundschaften
13:55 Geburt und die erste Zeit zu Hause
23:25 Studieren mit Kind
27:07 Vorurteile, Stigma und Verantwortung
36:32 Ihr Sohn heute
42:18 Paarbeziehungen und das eigene Narrativ
51:04 Abschluss
Mehr über Judith Neubert
Judiths Website: https://judithneubert.de/
Judith bei LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/judith-neubert-1a164820b/
Judith bei Instagram: https://www.instagram.com/judithneubert/
Empfohlene Themen & Referenzen
Schwangerschaftskonfliktberatung als unabhängige Beratungsstelle.
Studium mit Kind und Familienbüros an Hochschulen.
Universitätskitas als Unterstützung für studierende Eltern.
Hebammenbegleitung als wichtige Unterstützung nach der Geburt.
Reflexionsimpuls
Welche Erfahrung in deinem Leben hast du lange als Bruch betrachtet?
Und wie würde sich dein Blick verändern, wenn sie einfach zu deiner Geschichte gehören dürfte?
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